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  • AutorenbildBjörn Jopen

„DON‘T take the money – and run“: Um welches Investorengeld Du einen großen Bogen machen solltest

So wie ein potenzieller Investor Dein Geschäftsmodell, die bisherigen Zahlen und Prognosen auf den Prüfstand stellen wird, solltest auch Du als Gründer genau prüfen, mit wem Du Dich auf eine Geschäftsbeziehung einlässt.

Natürlich freust Du Dich als Gründer, wenn ein Business Angel oder Investor Dein Startup spannend findet, an Deine Idee glaubt und Geld investieren will. Die Konditionen sind meist zügig ausgehandelt und alles ist gut – oder doch nicht? Nein, so einfach ist es bei Startup-Investments leider oft nicht. Denn wenn Du Dir Gedanken darüber machst, welchen Investor Du als Gründer für Dein Unternehmen willst, wird Dir schnell auffallen, dass es insgesamt drei Arten von Business-Angel-Money gibt.

1. Das Smart Money: Es kommt von einem Investor, der sich einbringen will und kann. Du bekommst quasi zu dem investierten Geld noch ein Netzwerk mit Kontakten und Know-how on top. In vielen Fällen ist das sogar das eigentlich wertvolle Asset. Denn Geld ist prinzipiell austauschbar, sich öffnende Türen, Fürsprache und ein Termin bei bestimmten Menschen, die Dich weiterbringen können, dagegen nicht.

2. Das Stupid Money: Diese Form des Investments kommt von einer reichen Person, die investieren will und so zum stillen Teilhaber wird. Das kann für ein Unternehmen durchaus auch ein Gewinn sein, insbesondere wenn die Person einen bekannten Namen hat und sich bestenfalls mit dem Investment als modern und hip zeigt. Im Optimalfall wirst Du von diesem Investor in der Zwischenzeit wenig hören, solltest ihn aber mit regelmäßigen Reportings informiert halten.

3. Das Trouble Money: Das macht Dir, wie der Name schon vermuten lässt, über kurz oder lang Probleme und Ärger. Komplikationen sind vor allem von solchen Investoren zu erwarten, die es sich eigentlich nicht leisten können, Business Angel zu sein, das aber dennoch aus welchen Gründen auch immer sein wollen. Solchen Investoren fehlt zudem meist das Bewusstsein, dass ihr Investment kein Investment in eine Blue-Chip-Aktie ist.

Doch wie unterscheidest Du als Gründer dann Smart Money von Trouble Money? Die gute Nachricht: Das ist mit etwas Fingerspitzengefühl gar nicht so schwer. Du wirst schon in den Verhandlungen bemerken, welches Mindset ein Investor an den Tag legt. Fehlt ihm grundsätzlich das unternehmerische Denken und die Risikoneigung für das Investieren in ein Startup in der Anfangsphase, solltest Du solches Geld im eigenen Interesse nicht annehmen. Das gilt übrigens auch, wenn Du den Eindruck hast, dass der Investor mit falschen Voraussetzungen und ohne die nötige Schlagkraft investieren will, es sich also buchstäblich nicht leisten kann, eingesetztes Kapital möglicherweise komplett zu verlieren. Business Angel müssen sich darüber bewusst sein, dass solche Investments in dem frühen Stadium der Unternehmen ein sehr hohes Risiko aufweisen. Umgekehrt wird man aber auch im Erfolgsfall mit überdurchschnittlichen Renditen belohnt, die dem erhöhten Risiko gerecht werden. Auch sollte klar sein, dass man mit einem Rückfluss des Kapitals in der Regel erst nach fünf, sieben oder gar zehn Jahren rechnen kann. Schon aus diesem Grund sollte übrigens Geld aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis in den meisten Fällen ein Tabu für Gründer sein. Denn diese Menschen sind in den meisten Fällen voreingenommen und glauben vor allem an die Gründer als Person und an deren unternehmerisches Geschick, ohne über das nötige Know-how bei der Einordnung von Risiken eines Startups zu verfügen. Übermäßige Nervosität – kein guter Ratgeber Die schlechte Nachricht: Wenn unerfahrene Gründer bemerken, dass sie sich Trouble Money eingefangen haben, ist das Kind meist schon in den Brunnen gefallen. Ein solcher Investor stellt ständig Rückfragen, schaltet sofort in den Krisenmodus, wenn sich die Zahlen nicht wie geplant entwickeln. Doch – darüber sollten sich Gründer und Investoren gleichermaßen klar sein – kein Geschäftsaufbau läuft ohne unerwartete Komplikationen oder Umwege ab. Wichtig ist daher, die Schwierigkeiten mit dem nötigen Weitblick und einem erfahrenen Team aus der Welt zu schaffen. Das zeigt aber umgekehrt auf, warum Smart Money für Gründer so wertvoll und wichtig ist: Ein solcher Investor wird die Gründer bei aufkommenden Fragen nach Kräften unterstützen, sie auch mental bestärken und im Ernstfall auch sagen, woran es gerade aus seiner Sicht hängt. Denn er hat investiert und somit ein berechtigtes Interesse, am Erfolg teilzuhaben. Umgekehrt kann natürlich auch Stupid Money hilfreich sein, weil es die Skalierbarkeit erhöhen und Durststrecken überbrücken kann – vorausgesetzt der Investor hat das Vertrauen in die Gründer. Prüfen einer Geschäftsbeziehung ist keine Einbahnstraße Daher mein Rat an Gründer von Startups: Macht Euch reiflich Gedanken darüber, von wem ihr Geld annehmen wollt. So wie der Investor im Normalfall berechtigterweise Euer Unternehmen, Eure Vision und die Tragfähigkeit Eurer Zahlen und Annahmen auf den Prüfstand stellt, solltet Ihr umgekehrt auch schauen, ob der Investor zu Euch passt. Denn im schlimmsten Fall hält ein zu nervöser „Pfennigfuchser“ mit seinem Geld nicht nur den Betrieb auf, sondern schreckt auch interessante andere Investoren ab. Wenn hier nur einer der Investoren eine toxische Atmosphäre schafft, kann das ein Unternehmen in erhebliche Schwierigkeiten bringen. Startups auf der Suche nach Investorengeld sollten sich und dem potenziellen Investor dabei folgende Fragen stellen:

  • Wie lange betätigt er sich schon als Business Angel und wie viele Investments in welchem Umfang hat er bereits getätigt?

  • Denkt er „groß genug“, hat eine Unternehmer-DNA und hat er gar bereits erfolgreiche Exits erreicht?

  • Hat der Business Angel die Firepower bei weiteren Finanzierungsrunden nachzulegen und woher kommt das Geld? Anders gefragt: Wie wird er mit drohenden Verlustrisiken umgehen?

  • Was sind die Erwartungen an den Business Angel seitens der Gründer?

  • Und nicht zuletzt: Kann man sich Referenzen über den Business Angel einholen (etwa über ein anderes Startup, mit dem er bereits zusammenarbeitet) und welchen Ruf genießt er möglicherweise in der Branche?


Auf die gesunde Mischung kommt es an Ich habe in den letzten zehn Jahren schon die unterschiedlichsten Konstellationen an Investoren von Startups erlebt. Wichtig ist, dass sich alle Beteiligten über das Risiko eines Early-Stage-Investments bewusst sind, wobei Dein Ziel eine gesunde Mischung aus Smart Money und Stupid Money sein sollte. Denn Ersteres wird Dich weiterbringen, Dir die notwendigen Sparringspartner im Tagesgeschäft liefern und steht Dir gegebenenfalls auch mal zur Seite, wenn Dir der unternehmerische Wind ins Gesicht weht. Letzteres ist dagegen eine gute Voraussetzung für Wachstum und schafft in Krisenzeiten und bei Komplikationen den nötigen Spielraum.


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